Fundsachen

Neulich, beim Aufräumen... Da ich mittlerweile nicht mehr ganz zu den Jungspunden zähle, findet sich hin und wieder eine Antiqui- oder Kuriosität, die ob ihrer Bedeutsamkeit für die Nachwelt vielleicht einer Erwähnung wert ist...



Elektronik-Ferz-mit-Krigge - Merlin
"Ferz mit Krigge" - das ist Hessisch und bedeutet so etwas wie "Schnickschnack, überflüssiger Tand". Und hier haben wir es: Knallrot lag er unterm Weihnachtsbaum, als ich gerade mal hm... 12 Jahre alt war? Genervt habe ich meine Eltern sicher über Monate. Jaaa, ich hatte ein Faible für solche Gizmos. Hab ich ja immer noch. Der Vorreiter des Gamecube, früher noch als der Gameboy, ach was sag ich - sogar noch vor der Atari-Spielkonsole mit den Holz-Seitenteilen! Der Merlin machte kultige Jodel-Geräusche und beherrschte ganze 4 Spiele... hm, also da gab es Tic, Tac, Toe... Kinderkram. Und eines, wo man eine vorgegebene Melodie nachspielen musste, die immer komplizierter wurde. Schon intellektueller. Besonders hinterhältig war ein Spielchen, wo man eine Lichterkombination erraten musste, und der Merlin gab einem Tipps, wie falsch oder richtig man geraten hatte... was für Genies, die niemals eine Freundin haben und im Keller Knallfrösche basteln. Das vierte Spiel habe ich vergessen. Ich sollte ihn mal wieder einschalten. Ich muss Batterien kaufen gehen...
···Kultfaktor: Eine Million.


William K. Everson - Klassiker des Horrorfilms
Keine Fundsache in dem Sinne, denn dieses Buch nehme ich oft und gerne zur Hand. "Klassiker des Horrorfilms" erschien im Jahre 1979 und ist auch seit dieser Zeit in meinem Besitz. Ich war damals zarte 10 Jahre alt und drückte die dringende Notwendigkeit, dieses Buch besitzen zu müssen, gegen den Widerstand meiner Eltern mit allen Waffen, die einem Zehnjährigen nunmal zur Verfügung stehen, brutalstmöglich durch.
Damals fand ich es einfach nur cool, dieses Buch zu haben und damit bei meinen Kumpels um Anerkennung zu heischen. Ganz zu schweigen von der Heidenangst, die mir manche Abbildungen damals machten...
Mittlerweile ist das Buch etwas vergilbt und stark mitgenommen - ist es doch eine famose Inspirationsquelle mit einer Fülle von grandiosen Bildern aus bekannten und unbekannten internationalen Horrorfilm-Produktionen, angefangen bei Rupert Julians "Phantom der Oper" von 1925 bis hin zu George Romeros "Dawn Of The Dead" aus dem Jahr 1978. Selbst diese Filme sind heute Klassiker - auch wenn sie von Filmhistoriker und Autor William K. Everson, ganz am Schluß, mit wenig freundlichen Worten bedacht werden. Die Zeiten ändern sich nun einmal - aber für mich ist die Kunstfertigkeit von Ausleuchtung, Masken, Kostümen und Kulissen aus jenen Zeiten, als Spezialeffekte noch wirklich "spezial" waren und für Computeranimationen noch nicht einmal Computer erfunden waren, immer noch zeitlos... phantastisch, würde ich mal sagen - im doppelten Sinne.
Ich kann diese 260 Seiten jedem Filmfan ans Herz legen, der auf die Ästhetik alter Schwarzweiß-Filme steht - auf dem Gebrauchtmarkt findet man hin und wieder ein Exemplar.