Oxford Synthesizer Company OSCar (-verkauft-)

Dass dieser seltene Synthesizer einmal den Weg in meine Sammlung findet, hätte ich nie gedacht - es wurden nur ca. 1800 Stück hergestellt. Der OSCar kam in der wilden Zeit auf den Markt, als MIDI als internationale Norm eingeführt wurde, ca. 1983. Und so war auch dieser etwas merkwürdig aussehende Zeitgenosse als einer der ersten Synths mit den heute obligatorischen 3 MIDI-Buchsen ausgestattet. Der durchschlagende Erfolg dieses erstaunlichen kleinen Knubbels mit dem sympathischen Namen trat allerdings nie ein. Manche sagen, es lag an dem merkwürdigen Design, andere machen die etwas komplizierte Bedienung dafür verantwortlich. Der OSCar wurde also zunächst als Experiment verbucht, und später wurde aus seinem "Ganz Nett"-Belächelt-Status nahezu eine Legende. Allerdings handelt es sich hier eigentlich um einen digitalen Synthesizer - das einzige Analoge an ihm ist das Filter.
Damals technisch ganz vorne: 12 Speicherplätze für eigene Sounds, ein Sequenzer mit Platz für 580 (!) Events, ein resonierendes Bandpass-Filter mit regelbarer Spreizung und eine rudimentäre und faszinierende Form von FM-Synthese mit 5 Speicherplätzen für eigene Wellenformen.
Der Klang ist äußerst flexibel, von brüllend aggressiv bis singend-melodisch, metallisch-harte Bässe sind machbar, ebenso wie "angesagte" Zerr-Klänge, schäfchenweiche Lead-Sounds und wirklich merkwürdige Geräusche. Durch das resonanzfähige Bandpass-Filter kann man ihm seltsam nasale Klänge entlocken, die an Obertongesänge erinnern.

Überhaupt kann man dem OSCar wie nur wenigen Synthesizern einen wirklich eigenen Klangcharakter bescheinigen. Man hört ihn selten, aber wenn, dann ziemlich deutlich. Seine kehligen Gesänge und beißenden Filterresonanzen hört man z.b. bei "Omnis Mundi Creatura" von Helium Vola, "Spin Spin Sugar" von den Sneaker Pimps oder "Fame" von God Lives Underwater, wo er sogar im Videoclip zu sehen ist. Bei Ultravox spielte er eine tragende Rolle ("Love's Great Adventure") und Jean-Michel Jarre nutzte ihn für "Revolutions".

Einsatzgebiete: Leads, Effekte, Flächen, Merkwürdigkeiten

Vorteile: Ziemlich eigenständiger Klang, krasses Filter, bis zur Verzerrung übersteuerbar, stimmstabil durch digital gesteuerte Oszillatoren, sehr flexibel, zweistimmig (wenn man die OSC's getrennt ansteuert), Speicherplätze für eigene Kreationen, MIDI an Bord, ein seltener Schatz, alleine optisch ein Hingucker...

Nachteile: Teilweise extrem komplizierte Bedienung. Einige Parameter verstecken sich hinter kryptischen Drück- und Fummel-Ritualen und werden auch nicht immer optisch angezeigt, denn ein Display wurde dem OSCar nicht geschenkt. Statt dessen kommuniziert er über 5 Leuchtdioden, deren verschiedene An-Aus-Kombinationen Auskunft erteilen sollen, auf welcher Bedienebene man gerade herumklempnert... bin ich gerade im Sequenzer? Im FM-Wellen-Bastel-Modus? Im normalen Spielbetrieb? Es ist, wie es ist: Ohne User Manual ist man beim OSCar aufgeschmissen, wenn man die Möglichkeiten dieses besonderen Synthesizers ausreizen will.

Wünschenswert wäre es, wenn die Filter-Cutoff-Frequenz-Spreizung modulierbar wäre... Kein Ringmodulator oder OSC-Sync, die digitalen Hüllkurven leider etwas schlapp (digital eben), Regler teilweise sehr schwergängig, optisch wirkt die Verarbeitung zwar robust, aber beim Anfassen merkwürdig billig, viel Plastik und... GUMMI!

 

Soundbeispiele

 

Ein typisches, vocoder-artiges OSCar-Quaken. Sowas kann er prima!

Noch etwas Quäkiges... eine Roboter-Ente oder ähnliches...

Ein tiefer Rülpser von ganz unten. Scary stuff.

Aber auch schmeicheln kann er. Hier etwas Oboen-artiges. Wer erkennt die Melodie?

Eine seidige Solo-Einlage. Tres chic und sehr dramatisch.

Ein orgeliges Stakkato. Keine Ahnung, wo ich das ausgegraben habe.

Ein bemerkenswerter Solo-Sound, der wie Keuchhusten klingt.

Ein glockiger FM-Sound mit ordentlich 80er-Flair. Hallo, Jan Hammer!