Roland MKS-80 Super Jupiter (-verkauft-)

Wir schreiben das Orwell-Jahr 1984: Die Rack-Ausgabe des legendären Analog-Schlachtschiffes Jupiter-8 kommt in recht unscheinbaren 2 Höheneinheiten einher, die sich bescheiden in die Roland-Black-Box-Designlandschaft der 80er Jahre einfügen. Doch beim Klang zeigt sich ganz schnell der "Big Brother" - eine Wucht auf Rädern mit 8 Voices und 2 Oszillatoren pro Stimme. Im Unisono-Modus gespielt, erklingen somit 16 (!) analoge Oszillatoren gleichzeitig und lassen die Wände wackeln. Einfach unglaublich, was sich da auf so kleinem Raum abspielt! Der MKS-80, auch Super Jupiter genannt, ist ein Allrounder, wie er im Buche steht. Möglich ist alles - seine Spezialität hingegen sind schöne, breite Harmonieflächen, spacige Soundteppiche und samtige Leadsounds à la Jarre oder Vangelis - das macht ihm so leicht keiner nach. MIDI wird von Hause aus spendiert (im Gegensatz zum Jupiter-8), es gibt Anschlagsdynamik, und sogar Aftertouch wird erkannt. Zudem gibt es 64 Speicherplätze plus einen Card-Slot für externe Speicherung. Noch Fragen?
Ach ja.
Das putzige Dingens mit den vielen Knöpfchen, das da obendrauf steht, ist übrigens auch recht nützlich. Der MPG-80 ist der zugehörige Programmer zum MKS-80, ein rares Stück Musikelektronik. Er ging zu seiner Zeit eher selten über den Ladentisch, da er seinerzeit mit insgesamt 65 Potis und Schaltern, die allesamt MIDI-Daten in Echtzeit senden, eine recht kostspielige Angelegenheit war. Außerdem kam er auf den Markt, als Tasten und Knöpfchen auf Synthesizern eher verpönt waren. Weg mit dem ganzen Schrauben-Gedöns! Menüsteuerung, Preset-Abruf und spartanische Bedienoberflächen waren der letzte Schrei. Aber wenn man den MPG-80 nicht hat, dann fehlt er. Und zwar gewaltig. Der MKS-80 verfügt zur Dateneingabe in der Grundausstattung nur über knibbelige Knacktasten, kein Data-Wheel, keinen Value-Regler. Das einzeilige LCD-Mini-Display mit Dicke-Digital-Uhr-Charme kann man auch nicht wirklich "grafisch" nennen.
Mit dem Programmer hingegen hat man richtig Spaß am Soundschrauben. Er wird an einer Extra-Schnittstelle angestöpselt, über die er auch seinen Strom bezieht. Die MIDI-Buchsen bleiben somit frei und los geht's - jeder Parameter ist zugänglich und per Schiebe- oder Drehregler sofort editierbar. Die Bedienoberfläche erklärt sich von selbst, wenn man weiß, wie analog/subtraktive Synthese geht. Alles da, was man braucht und wo man es erwartet. Und mehr: Osc-Sync (in beide Richtungen), Cross-Modulation, regelbarer HPF, ein VCF (Lo-Pass, klassisch), 2 Hüllhurven, und es nimmt kein Ende. So schnell gerät man hier nicht an Grenzen. Ein kleiner Wermutstropfen: Da die Parameter des MKS-80 digital abgefragt und eingestellt werden, sind mitunter leider deutliche Stufen hörbar, wenn man die Regler bewegt - nix da live Sounds schrauben, zumal die Regler des MPG-80 bisweilen recht ruppig reagieren. Fingerspitzengefühl ist hier angesagt.

Einsatzgebiete: Eigentlich alles. Aber am liebsten Pads... I love it. Gänsehaut. Ich könnte ewig nur dasitzen und Akkorde drücken. Der MKS-80 eignet sich generell eher für schöne, verträumte Klänge und fette Sounds.

Vorteile: Der Sound! Kniet nieder, Herrschaften. Ich sag's ja nur ungern, weil es ein Klischee ist, aber... FETT!!! Verdammt viel Roland auf verdammt wenig Platz. Nicht umsonst hat Herr Filmkomponist Hans Zimmer gleich mehrere MKS-80 unter seinen Bediensteten. Wie schon gesagt, erst mit dem MPG-80 wird wirklich ein Stiefel draus. Angenehm am Rande: Ein LFO mit wirklich weitem Frequenzbereich (in den oberen Drehzahlen klingts schon fast nach FM!), und ein zweiter LFO extra für's Mod-Wheel.

Und sogar eine Art Multi-Mode hat sich eingeschlichen: Supi Jupi kann 2 Sounds auf einmal, wahlweise per Split-Modus auf der Tastatur zuweisbar, oder eben Unisono, wobei Sound 1 und Sound 2 auf jeweils einen Audio-Ausgang geroutet werden können. Dadurch lassen sich mit ein bißchen Programmier-Aufwand echte Stereo-Sounds erzeugen. Ja, lacht nur, ihr modernen, virtuell-analogen, 128-stimmigen Workstation-Luxuspudel... ;-)

Nachteile: Kein Ringmodulator. Fragt sich jedoch, ob man bei der Soundfülle überhaupt einen braucht. Etwas eingeschränktes "Analog-Feeling" beim Programmer (siehe oben). Aber immerhin. Wir wollen mal nicht meckern. Die Hüllkurven sind nicht so rattenschnell wie beim Minimoog, aber durchaus zu gebrauchen. Und er verstimmt sich in den ersten 30 Betriebsminuten gerne mal ein bißchen. Ist halt analog, herrje. Dazu gibt es ja den "Auto-Tune"-Knopf, der in weniger als 1 Sekunde (!) die 16 Oszi's zurück in Reih und Glied drillt.
Nicht wirklich ein Nachteil, aber einen kleinen Hinweis wert: Das Gehäuse ist mit ca. 40 cm recht tief, könnte also in manchen Racks Probleme bereiten.

 

Soundbeispiele

 

Symphonischer Pad-Sound, wie er in den 80ern beliebt war. Ziemlich dicke Hose.

Stakkato-Bass im fetten Unisono-Mode. Macht auch Elektro-Fans glücklich.

Leicht wabernder Space-Sound.

Der Weltraum, unendliche Weiten... und frecher Roland-Sync.

Und noch was schönes. Dreieckwelle und obendrauf ein Quentchen Sägezahn.

Okay, es ist kein CS-80. Aber ein bißchen nach "Blade Runner" klingt's schon, oder?