MiniMoog

Die Erfüllung eines langgehegten Traums. Zu frühen Zeiten, bevor man begann, elektronische Musik für den "Heim-Konsumenten" zu entdecken, waren Synthesizer große, rätselhafte Maschinen in Laboreinrichtungen mit Bodennebel und grünlich-gelbem Licht, deren Bedienung man nur Menschen mit Techniker-Kitteln und Klemmbrettern oder schlicht Wahnsinnigen zutraute.
In den späten 60ern von Robert Moog aus der Taufe gehoben, sollte der MiniMoog seinen Siegeszug als erster tragbarer (!), bezahlbarer und einfach zu bedienender Synthesizer seinen Siegeszug antreten. Bis heute hat er seinen Kultstatus erhalten und sogar noch verstärkt. Selbst stark mitgenommene Exemplare werden heute für eine Menge Geld auf den Gebrauchtmärkten gehandelt. Der MiniMoog ist an sich gar nicht so kompliziert aufgebaut - doch liegt in dieser recht einfachen Konstellation eine Würze, die auf dem Synthesizer-Markt bisher unerreicht ist, auch wenn einige anderes behaupten. Letzten Endes kann ich gar nicht so genau erklären, wo dieser doch vergleichsweise simple Synthesizer seine Klangvielfalt hernimmt. Er verfügt über die Möglichkeit von Filter- und Oszillator-FM, denn der dritte Oszillator lässt sich als Modulationsquelle definieren. Darin liegen, zumindest beim Minimoog, Welten verborgen. Nahezu alles ist damit realisierbar von verzerrten Solo- und Bass-Gewittern bis hin zu hölzernen, metallischen oder gläsernen Obertonspektren. Warum das beim Mini so geil, organisch und lebendig klingt und bei anderen Synthesizern eher unbefriedigend oder zumindest sehr anders... ich weiß es nicht. Dieses Geheimnis wird Dr. Robert Moog wohl mit ins Grab genommen haben. Mit dem Minimoog sind Klänge möglich, von denen man nicht einmal denkt, dass sie synthetisch sind.

Hervorzuheben wäre bei diesem kleinen Wunderwerk noch, dass es durch die erfahrenen Hände der Firma Lintronics gegangen ist, die sich auf die Reparatur, Restaurierung und MIDIfizierung von Mini- und Memory-Moogs spezialisiert hat. Das MIDI-Interface, entwickelt von Rudi Linhard, ist von Robert Moog persönlich autorisiert, erhält den Klangcharakter des Instruments voll und ganz, tut wirklich hervorragende Dienste und bereichert den kleinen Mini noch um einige Schmankerln wie z.B. Anschlagsdynamik und einen zusätzlichen LFO.

Einsatzgebiete: Bass, Leads, Effekte, Percussions/Drums

Vorteile: Sprecht mir nach. Mi-ni-moog. Ein Frequenzspektrum von tektonischer Plattenverschiebung bis zum kastrierten Pantoffeltierchen. Rasend schnelle Hüllkurven, seidenweicher, präziser Klang. Übrigens ist die Tastatur, die Lintronics dem Mini spendiert hat, ein absoluter Traum - spielt sich wie Butter. Das Bedienfeld ist beim Minimoog hochklappbar. Ich finde ja, dass er nur mit hochgeklapptem Frontpanel wirklich aussieht wie ein MiniMoog!

Nachteile: Was, ich soll an einem Götzenbild kratzen? Einem Wahrzeichen? Einer Ikone? Nagut. Wenn man so will: Kein LFO, sondern Nutzung des dritten Oszillators als solcher. Kein Sync. Kein Ringmodulator. Karosserie teilweise aus Holz. Kein Zigarettenanzünder. Sieht von hinten aus wie etwas Selbstgebasteltes aus Hasendraht und einem Schuhkarton. Kein cooles, riesengroßes, posiges "MOOG"-Logo auf der Rückseite. Aber wer nimmt denn bitte einen MiniMoog zum Posen???

 

Soundbeispiele

 

Zapp, das war bestimmt ein Minimoog... bei "It's More Fun To Compute" von Kraftwerk!

Noch ein Kraftwerk-Stück, bei dem den Mini in Komplizen-Verdacht habe: "Die Roboter".

Funky Moogbass.

Ein glasig-metallischer Effektklang, sehr mystisch...

Mal etwas Xylophon-artiges...

Unvergessen natürlich auch seine Lead-Qualitäten. Einfach erstklassig.