Korg MS-20

Einer meiner Lieblinge! Einsteiger werden an ihm verzweifeln, denn ohne Einsatz des Steckfeldes hat man eine bessere Tischhupe. Erst wenn man das Patchfeld kapiert hat, gelangt man zu den Stärken und Schwächen dieser Maschine. Jedoch: Der Klang ist sehr eigen und aggressiv. Manche hassen ihn, manche lieben ihn. Böse Stimmen nennen den Sound "quäkig" und ganz unrecht haben sie damit nicht. Die seriell geschalteten Filter (HP->LP) entwickeln bei Eigenresonanz nicht das typische Sinus-Pfeifen, sondern viel eher ein Kreischen. Im Bassbereich ist der MS-20 nicht gerade ein Platzhirsch, obwohl das Filter im tiefen Cutoff-Bereich gehörig schieben kann. Krachende Industrial-Bassdrums z.b. lassen sich damit sehr gut machen. Aufbau und Beschriftung des Steckfelds sind leider verwirrend und auch unlogisch (Trigger = Gate, Signalfluß kreuz und quer), selbst für Kenner von modularen Systemen. Dies liegt aber zum Großteil an der äußerst kompakten Bauweise, nehme ich an. In der Tat ist der MS20 eher der Rowdy vom Bolzplatz als der nette Junge von nebenan. Für liebliche Solo-Einlagen oder seidenweiche Bassflächen würde ich ihn nicht an die Front schicken, aber wenn es etwas sein soll, was dem geneigten Hörer die Füllungen aus den Backenzähnen hebelt, dann ist der MS20 der Typ fürs Grobe. Es ranken sich Diskussionen um das Thema, ob man den MS20 überhaupt "modular" oder sogar "semi-modular" nennen kann, denn das Patchfeld ist eher als Erweiterung zu verstehen. Einige Spannungen lassen sich gar nicht abgreifen und insgesamt bietet der MS20 eindeutig nicht die Freiheiten eines modularen Systems. Sehr interessant ist die eingebaute "Pitch-To-Voltage"-Abteilung am unteren Rand des Steckfeldes: Hier kann man z.b. eine Gitarre einstöpseln und den MS20 über diese "fernsteuern". Natürlich ist man nicht darauf festgelegt, ausschließlich melodisches damit zu produzieren, schließlich ist der MS20 eine Aufforderung zum Krachmachen. Ich hörte, dass Aphex Twin gerne den MS20 einsetzt...

Einsatzgebiete: vor allem Effekte und "krassere" Leadsounds

Vorteile: Wer es "dirty" mag, wird mit dem Kleinen seinen Spaß haben. Imposante Erscheinung durch das Steckfeld. Nur wirksam durch kleine bunte Kabel, die man reinsteckt. Der MS20 ist sehr leicht und kompakt, findet also in fast jedem Studio ein Plätzchen.

Nachteile: Extrem klapprige Tastatur. Das Stimmen des MS-20 kann eine echte Geduldsprobe sein... CV-Kennlinie leider Hz/Volt (und nicht Volt/Oktave), was die Auswahl an MIDI/CV-Interfaces ein bißchen einschränkt und ihn nicht immer kompatibel zu anderen Analog-Synths macht. Leider ist die erste Hüllkurve nur Attack/Decay, keine Pulsweiten-Modulation (im Gegensatz zum MS-10, dem kleinen Bruder), ohne Bastel-Eingriffe kein FM möglich, da die Oszillatorsignale nicht einzeln nach außen geroutet werden können, keine individuelle Modulation eines einzelnen Oszillators.

 

Soundbeispiele

 

Beats kann der MS20 auch ohne Sequenzer. Mords Schub durch HP-Filterresonanz.

Zusammenschnitt von dem, was wohl die meisten an ihm schätzen. ;)

Aber Schlangen beschwören kann er auch. Mit seiner Dreieckwelle.

Und Mr. Oizo hat ihn eingesetzt. Ich musste einfach den Drummie dazu anwerfen.

Dräuender Sägezahn-Bass à la John Carpenter.

Und so klingt der Ringmodulator des MS20.