Korg Mono/Poly (-verkauft-)

Weit unterschätzter Synthesizer. Ich kann diesen Klangerzeuger jedem ans Herz legen, der einen fetten, klaren Analogsound sucht. Vom Klang her eher ein Saubermann. Wenn er mal in Stimmung ist. Schalte ihn ein und gib ihm 5 Minuten - aber was er dann macht, macht er richtig. Wuchtig im Bassbereich, fulminanter Lead-Sound durch seine 4 Oszillatoren, die auch mit FM und/oder Sync miteinander modulierbar sind. Ist für fast alles einsetzbar, außer für Lärm. Klanglich würde ich ihn mit älteren Depeche-Mode-Songs vergleichen ("People Are People" oder "Everything Counts"). Der Name leitet sich nicht von dem populären Kapitalismus-Gesellschaftsspiel ab, sondern bedeutet "Monophon/Polyphon". Live gespielt, ist er eigentlich nicht im klassischen Sinne polyphon, denn die Hüllkurven und Filter bleiben mono, aber er bietet vier voneinander unabhängig spielbare Oszillatoren. Das bedeutet, von einem gedrückten, vierstimmigen Akkord kann jede einzelne Note eine eigene Klangfarbe haben. Kann sehr interessant klingen - solche Features kennt man sonst z.b. nur vom Oberheim 4-Voice-Schlachtkreuzer. Weiterhin hat er eine Chord-Memory, die es erlaubt, einen Akkord über die ganze Tastatur zu spielen, womit man imstande ist, recht schräge Soli vom Zaun zu brechen. Ich benutze ihn oft für Bässe, Percussions oder Arpeggios. Überhaupt ist der Arpeggiator des Mono/Poly ein weiteres lustiges Feature, denn er ist unter anderem in der Lage, die einzelnen Oszillatoren nacheinander zu spielen. So kann man recht merkwürdige und auch groovige Sequenzen herstellen. Leider ein sehr schwaches Keyboard, die Kontakte muss man entweder regelmäßig reinigen, oder man kann ihn nur noch über CV ansteuern, irgendwann reagieren die Tasten einfach nicht mehr. Die Prozedur ist relativ aufwändig, und ich habe es erst einmal gemacht. Wird wohl bald mal wieder Zeit.

Einsatzgebiete: Bass, Leads, Percussions, Drums, Effekte der braveren Kategorie... :)

Vorteile: Der "Sir" in meiner Sammlung. Achtet stets auf saubere Ausdrucksweise und Etikette. Beeindruckendes Äußeres. Protzt mit seinen vielen Knöpfchen wie ein General mit seinen Orden. Wenn er einen Beruf ergreifen würde, wäre er Bibliothekar. Oder Steuerberater. Sehr sehr vielseitig, und mit einer sehr eigenen Form von Humor. Very useful: Extra CV-Eingang für Filter-Cutoff - man kann über MIDI das Filter anschlagsdynamisch spielen.
Update vom 14.11.2005: Ein kleines "Easter-Egg" steckt in dieser erstaunlichen Kiste! Für alle Mono/Poly-Besitzer, die diesen kleinen Trick noch nicht kennen: Stellt mal den Waveform-Schalter des LFO 1 (hier "MG 1") zwischen Dreieck und Sägezahn ein. Ihr habt richtig verstanden - zwischen den ersten beiden Schalterstellungen Dreieck und Sägezahn. Das erfordert ein bißchen Geduld und Geschick, aber dann habt ihr einen LFO, der auf völlig abstruser Geschwindigkeit läuft, womit sich einige recht abgedrehte Klänge erzielen lassen, die z.B. an Bitcrusher-Effekte erinnern. Eigentlich eher ein HFO - High Frequency Oscillator... Probiert es mal aus!

Nachteile: Verliert leider viele seiner unschlagbaren Liveplay-Features, wenn man ihn über CV ansteuert, z.b. den witzigen Arpeggiator, die Chord-Memory, überhaupt seine ganze Polyphonie. Wenig Rock'n'Roll in der Kiste. Viele erachten den Klang als "kalt", ich nenne ihn eher "sauber" oder "poppig". Nicht immer stimmstabil. Muss nach dem Einschalten eventuell nachgestimmt werden. Laut Auskünften diverser Diskussionsforen im Web ist das aber bei jedem Mono/Poly anders. Keyboard - schlicht scheiße, tut mir leid.
Der Synth erwärmt sich relativ stark. In Internet-Foren habe ich Einträge von Mono/Poly-Besitzern gelesen, die darüber klagten, bald Spiegeleier auf der Rückseite dieses Synths braten zu können. Das kann ich zwar nicht bestätigen (und würde es auch nicht ausprobieren), aber ein kühler Kopf ist der Mopo in der Tat nicht... er heizt das Studio im Winter ganz gut.

 

Soundbeispiele

 

Ein flötiges Arpeggio mit Delay.

Ein paar einfache Modulationen. "Oxygene" lässt grüßen.

Dicker Bass mit etwas Sync und Cross-FM. Typisch Mono/Poly.

Und so klingt die Filterresonanz beim Mopo. Quietschsauber.