Doepfer "Dark Energy" Analog Synthesizer

 

Ich habe mir im Vorfeld viel über Doepfer-Module erzählen lassen. Die einen meckerten über die "analytischen" oder "kalten" Klangeigenschaften und die fitzelige Bauweise, andere schwörten total drauf - darunter auch Elektronik-Promis, von denen man denken möchte, dass sie wissen, was sie tun. Doepfer-Systeme findet man überall auf der Welt, sie zählen zu den populärsten Synthesizern überhaupt. Also was nun? Fresst Scheiße - Millionen Fliegen können nicht irren? Oder kann eine erfolgreiche Firma wie Doepfer vielleicht doch gerade deswegen so beliebt sein, weil sie einfach gute Produkte baut? Also dachte ich mir, ich teste Doepfer jetzt einfach mal selbst...

Schon beim Auspacken möchte man entzückt quietschen wie ein Mädchen. Ist der süüüüüß!!! Wie er sich in seine Bläschenfolie kuschelt, der kleine Racker, sanft zugedeckt mit seinem User-Manual. Och, und ein USB- und drei Patchkabel liegen dabei. Und ein putziges Netzteil. Ein Arrangement wie ein Ostereier-Nest. Fehlt nur noch der Schoko-Hase. Guck nur, wie er schläft... soll ich ihn aufwecken? Auf geht's! Let there be --- Dark Energy!
Der Dark Energy ist ein simpler, aber vollwertiger Analogsynthesizer mit einem VCO, einem resonanz- und selbstoszillationsfähigen Lowpass-Filter, zwei LFOs und einer ADSR-Hüllkurve. Klingt gerade mal nach dem allernotwendigsten einer Standard-Hupe, was? Vielleicht... aber aufgepasst! Er ist angereichert mit ein paar trickreichen Zusatzfeatures.
Zuerst einmal kann man den intern vorverdrahteten Signalweg mit Patchkabeln nach Korg-MS20-Manier durchkreuzen: VCO Pitch, VCO Pulsbreite, VCF Cutoff, VCA Level und Gate sind offen für CV-Signale aus Fremdquellen. Ebenso steht ein Eingang für externe Audiosignale bereit. Ausgänge gibt es auch: Die CV-Steuersignale von LFO 1 und ADSR können abgegriffen und nach außen geleitet werden. Ganz rechts: Audio Out, das wichtigste.
Aber auch intern ist das Routing erstaunlich flexibel. Fast jeder Poti ist nämlich mit einem Drei-Wege-Kippschalter versehen, der die Funktion bestimmt. Ein paar Beispiele:
- Der VCO. Ziemlich komplexer Scheiß, kompakt gelöst. Er hat drei Fußlagen (Kippschalter), ist in der Tonhöhe modulierbar (Off, LFO 1 oder ADSR) und liefert Dreieck- oder Sägezahn-Schwingungen (yep, Kippschalter), die jeweils per Poti stufenlos mit einer Rechteckwelle (PWM-Quelle: Off, LFO 2 oder ADSR) gemischt werden können. In der Mittelstellung "Off" sind Dreieck und Sägezahn stumm, falls man mal nur mit der reinen Filterresonanz oder der Rechteckwelle arbeiten möchte. Der entstehende Mix klingt, trotz Single-VCO, erstaunlich facettenreich und mächtig. Verdammt viele Nuancen - und das waren grade mal 8 von 28 Bedienelementen. Echt clever.
- Die beiden LFOs bieten per Kippschalter drei Frequenzbereiche: Low, Medium und High. Sie können also so langsam schwingen, dass man schon hinhören muss, ob sich überhaupt was bewegt - und bis weit in den Audiobereich hinein (5 Kilohertz). Findet man selten.
- Das Filter resoniert ziemlich aggressiv und ist durch einen Tracking-Schalter auch tonal spielbar. Es kann entweder von LFO oder Hüllkurve in der Cutoff-Frequenz moduliert und sogar zusätzlich vom VCO-Schwingungs-Mix crossmoduliert werden (Filter-FM). Das schmeißt schon eine gehörige Portion schräge Obertöne auf den Klang, den man mit solchen Biestigkeiten bis zur Unkenntlichkeit entstellen kann.
- Der VCA hat einen Initial-Gain-Regler und verzerrt bei Modulation, ähnlich wie beim Vostok, schon ab der Poti-Mittelstellung. Der Distortion-Effekt ist aber noch um einiges fetter und bissiger als beim Vostok. Grrrr.... schön auf die Finger aufpassen!
- Auch die ADSR-Range kennt die drei Schalterstellungen Low, Medium und High. Vom minutenlangen Sweep bis zum scharfen Knacken ist alles drin. Die Hüllkurve schnatzt schon ordentlich, da gibt es nichts zu meckern.
Und ach, es geht noch mehr, denn patchen kann man ja auch noch. Ach Mist, ich bin verknallt. Er hat mein Herz gestohlen.

 

Einsatzgebiete: Bässe, Leads, Percussions, Effekte.

 

Vorteile: Klingt nach mehr als nur einem Oszillator. Der Dark Energy ist genau das richtige für Freunde der fetten Bässe und Distortion-Leads und für Elektronik-Frickler, die auch mal experimentieren wollen. Super verarbeitet und ganz nach Dopefer-Manier sauber kalibriert: In der Mittelstellung schwingt der Oszillator wohltemperiert durch alle Oktaven. Holzseiten, Metallgehäuse, weich laufende Potis und stabile Kippschalter. Nirgendwo ein Wackeln, Klappern oder Nachgeben. Sogar die Miniklinken-Buchsen sind leichtgängig und schließen den Kontakt sauber, ohne Knacksen und Signalverluste. Na, geht doch! Hab ich schon anders erlebt. Gell, Vostok? Und dabei kostet der Dark Energy nur einen Bruchteil.
Auch sehr klasse: Zu den internen Signalwegen werden die extern hinzugeführten Signale hinzugemischt, anstatt dass das eine das andere ersetzt.
Im Dark Energy ist ein vollwertiges MCV4-Interface mit Lern-Taster verbaut. Drei CV- und ein Gate-Signal können ebenfalls mit Miniklinke nach außen geroutet und für weitere Module genutzt werden. So kann man mehrere Dark Energys auch in Reihe schalten. Ideal ist der Darky auch für den mobilen Einsatz. Durch die USB-MIDI-Buchse schließt man ihn ganz einfach an den Laptop an. Doepfer vereint Tradition mit der Moderne, und das auf so kleinem Raum - Hut ab.

 

Nachteile: Kein Power-Schalter. Ausschalten? Stecker ziehen. Ansonsten findet man wenig zum Meckern. Es geht nun einmal nicht alles mit dem Dark Energy, aber er verspricht nichts, was er nicht halten kann. Noise, Sample & Hold, Sync und Ringmodulation sucht man vergeblich. Aber auch ohne Rauschen steckt genug "Noise" in der Kiste. Sync und Ringmodulation sind natürlich auch nicht möglich, denn es gibt ja nur einen VCO. Kein Nachteil, aber ein Kuriosum: Ich persönlich fand es zuerst etwas irritierend, dass die LFO-Frequenzen von Dioden angezeigt werden, die blinken und dabei ihre Farbe von Rot nach Gelb wechseln, je nach Polarität. An diese Disco-Lightshow muss ich mich erst noch gewöhnen - es wäre aber Schwachsinn, darüber zu lamentieren, denn man ist ja auch mit einem Paar Ohren ausgestattet. Manche mögen's, manche nicht: Ewiger Kritikpunkt an der Doepfer-Produkten ist (siehe oben) die winzige Bauweise. Die Potis sitzen gerade mal 5 mm voneinander entfernt. Dabei kann es passieren, dass man beim Schrauben einen benachbarten Parameter mit verstellt. Also mit Fingerspitzengefühl rangehen. Ein Audio-Out mit Miniklinke könnte hier und da Probleme mit Einstreuungen bereiten, denn das Kabel fällt logischerweise sehr dünn aus. Bei mir läuft er jedoch sehr nebengeräuscharm. Der Access Virus rauscht mehr. Und der Fairness halber möchte ich erwähnen, dass ich auch Klagen über Abstürze der internen Software vernommen habe. Ohne Mikroprozessoren kommt der Darky natürlich nicht aus, denn sonst wären USB-Anschluss und MIDI/CV nicht realisierbar. Ich muss jedoch sagen, dass er bei mir noch keine Zicken gemacht hat.

 

Soundbeispiele

 

Schwebende Dreieckwellen-Sequenz mit resonierendem Filter.

LFO2 moduliert die Pulsbreite. Mal langsam, normal und schnell.

Schöner Leadsound mit Pulsbreiten-Modulation.

Blubbernder Bass mit Velocity-gesteuerter Cutoff-Frequenz. Die Attack knackt ordentlich.

Knackige Hüllkurven!