Sequential Circuits Pro-One

Endlich, endlich... nach langem Zögern, Suchen, Finden-und-dann-doch-nicht-entscheiden zog er mit Sack und Pack in meine Anhäufung des Wahnsinns ein: Der legendäre und über die Maßen gehypte SCI Pro-One, die "eine Stimme des Prophet 5". Auf Herz und Nieren getestet, offenbarte der kleine Frechling mir nur Stärken: Kosmetisch 1a, kein Kratzen in den Potis, keine Ausfälle und ein brüllend lauter Sound-Output. Auffällig beim Pro-One ist die Modulationsmatrix auf der linken Seite: Diese ist im Analog-Bereich ziemlich einzigartig und sehr pfiffig aufgebaut. Sowohl Filter, Pulsweite und Tonhöhe beider Oszillatoren lassen sich von LFO, Oszillator 2 (FM!) und Filter-EG modulieren. Ob dies direkt geschieht oder über den Abschwächer des Mod-Wheels geroutet wird, lässt sich mit einer kleinen Anordnung von Wahlschaltern festlegen. Weiter geht es mit 2 VCOs, die synchronisierbar sind und die üblich verdächtigen Wellenformen aufweisen - OSC A: Sägezahn und Rechteck, OSC B: Sägezahn, Dreieck und Rechteck. Ein wenig mehr Vielfalt wäre hier wünschenswert, aber man darf nicht vergessen, dass dieser Synthie seinerzeit als Low-Budget-Produkt, die monophone Variante des Prophet 5, für jedermann zugänglich sein sollte. Dieses Konzept ging auf - der Pro-One brachte es auf die recht stattliche Auflage von ca. 10.000 Exemplaren. Ein weißer Rauschgenerator gesellt sich hinzu und rundet das Bild ab. Den Klang des Filters würde ich mit "zwischen Moog und Korg-MS20" beschreiben - bei wenig Eigenresonanz warm, satt und rund, bei zunehmender Resonanz beginnt er ganz schnell rotzig zu werden. Kreischt nicht so sehr wie der MS-20, aber muss ja auch nicht. Weiterhin gibt es einen kleinen On-The-Fly-Sequenzer mit 2x 40 Tönen Speicherkapazität und einen Arpeggiator mit den Modi "Up" und "Up/Down". Die beiden Hüllkurven sind nach analoger Manier rasend schnell - so soll es sein. Und Amen.

Einsatzgebiete: Bass, Leads, Percussion und FX.

Vorteile: Die Mod-Matrix ist schlicht genial, das starke Herz des Pro-One und Lieferant für unendlich viele und überraschende Klänge! Sehr nett auch der Sequenzer, der sich wirklich in Sekunden programmieren lässt - ganz im Gegensatz zum OSCar beispielsweise. Überhaupt ist der Pro-One ein Synthie, der unglaublich flott und fast im Blindflug bedienbar ist. Der Klang ist sehr flexibel, er hat nicht ganz den Frequenzumfang eines Minimoog, aber kann in punkto Klarheit und Druck durchaus Paroli bieten. Diese Kiste rockt pfundig und wiegt dabei soviel wie eine Schachtel Cornflakes. Externer Clock- und Filter-CV-Eingang: Hosianna. Ich würde sagen, dass Sequential hier wirklich das Beste rausgeholt hat.

Nachteile: Leider kein Sample & Hold und auch kein Ringmodulator. Wenn kein externes Clock-Signal anliegt, ist der LFO der Taktgeber, was langsame Modulationen auf einer flotten Sequenz nur mit Einsatz von Oszillator B als LFO möglich macht - was wiederum, genau, einen Oszillator kostet. Im MIDI-Verbund habe ich ihn noch nicht getestet, das dürfte dann allerdings erledigt sein. Schade auch, dass der LFO, ebenso wie Oszillator B keine "Saw Down"-Wellenform bietet, sondern nur "Saw Up". Hier kann man sich mit der "Repeat-Funktion" und der Filter-Hüllkurve einen kleinen Workaround basteln, der leider nicht ganz das Gelbe vom Ei ist... Die gesamte Verarbeitung ist leider etwas schwach: Die Tastatur klappert lauter als das, was man drauf spielt, die Potis wackeln in der Halterung, die Wahlschalter wirken billig und wenig kontaktfreudig, die Plastik-Frontplatte gibt selbst auf leichten Druck nach. Bobseidank wurde nicht beim Sound gespart. Die Seriennummern-Historie des Pro-One weisen laut einiger Dokumentationen im Internet ein paar "schwarze Schafe" auf: Vor der Seriennummer 1500 wurde das interne Netzteil direkt auf der Hauptplatine montiert, was bei einem Sturz oder ähnlicher Einwirkung die Platine zerbröseln und somit das Instrument irreparabel beschädigen konnte. Nach der Seriennummer 8500 wurden statt der weit verbreiteten J-Wire-Tastaturen sogenannte Membran-Kontakt-Tastaturen eingebaut. Diese gelten als extrem empfindlich und schwer zu reparieren. Wenn also einer von Euch einen Pro-One zu kaufen beabsichtigt (was ich unbedingt empfehlen kann!), sollte er vielleicht ein Auge auf die Seriennummer werfen...

 

Soundbeispiele

 

Filtermodulation bei hoher Resonanz durch Oszillator B. Extrem cool.

Keine unmögliche Mission: Trigger von der TR-606 plus interner Sequenzer mit Sync-Bass...

Der Sequenzer lässt sich einfach auf der Tastatur transponieren. Sehr lässig.

Sync-Solosound mit leichtem Tasten-Preller. Kinderkrankheit vom Pro-One.