Dotcom Custom Modular (-verkauft-)

Eine eigene Zusammenstellung von Modulen, hergestellt und geliefert von der US-Firma synthesizers.com (kurz "Dotcom" genannt), die sich auf den Bau von Modularsynthesizern spezialisiert haben. Modularsysteme stellen eigentlich den Urtypus des Synthesizers dar und waren in den 60er und 70er Jahren besonders populär. Durch den Fortschritt des Mikrochips wurden in elektronischen Klangerzeugern mehr und mehr Funktionen auf immer kleinerem Raum untergebracht. Doch es gibt einige Firmen, die diese Module immer noch herstellen.
Wenn man das System grob erklären möchte: Kontrolliert von einer oder mehreren Steuerspannungen (CV = Control Voltage), Gate-Signalen (eine Spannung, die solange anliegt, wie z.b. eine Taste gedrückt wird) und Trigger-Signalen (ein simpler, kurzer Impuls zum Auslösen eines Events) können Audiosignale gefiltert und verfremdet werden, bevor sie unten bei den Verstärkern ankommen und hörbar gemacht werden. Fast alle Module sind per CV steuerbar. So, das war jetzt unverständlich, oder? Tja, leider läßt es sich nicht einfacher sagen. Die Möglichkeiten sind unendlich, die Freiheit ist nur durch die Anzahl der Module begrenzt, ein Modularsystem ist pure Experimentierfreude und eine Aufforderung zur Anarchie.
Die Module im groben Überblick: 4 Oszillatoren, 3 Hüllkurven, 3 Amps, 1 Multimode-Filter, 1 "Moog-typischer" Transistorfilter, 1 Festfilterbank, Ringmodulator, Noise, Sample&Hold, Clipper/Rectifier (im Prinzip eine Verzerrer-Einheit), plus diverse Module zur Aufteilung, Mischung und Bearbeitung von Steuerspannungen oder Audiosignalen. Sehr interessant ist unter anderem das harmlos aussehende Instrumenten-Interface (oberste Reihe, drittes von links), das es ermöglicht, externe Signale (z.B. von einem Mikrofon oder einer Gitarre) in Steuerspannungen und/oder Gate/Trigger-Signale umzuwandeln.

Vorteile: Ein Modularsystem bietet nahezu unendliche Möglichkeiten. Die Module von Synthesizers.com klingen absolut hervorragend und die Verarbeitung kann man nur lobend erwähnen. Die Potis laufen butterweich, die Klinkenbuchsen sind äußerst robust, die wichtigsten Komponenten sind mit ein paar Handgriffen ausgetauscht, wenn trotz allem mal was kaputt gehen sollte. Ein weiterer Vorteil ist die Erweiterbarkeit. Wenn man 1 Oszillator und einen Mixer mehr braucht, muss man nicht gleich einen neuen Synthesizer kaufen. Dotcom fertigen ihre Module, wie einige andere Hersteller, nach dem "Moog"-Vorbild. Das bedeutet, dass man durchaus auch Module verschiedener Hersteller miteinander kombinieren kann. Modularsysteme tendieren sowieso eher dazu, mit der Zeit noch zu wachsen... :)

Nachteile: Ein Rack muss her. In diesem Fall habe ich selbst zu Hammer und Hölzern gegriffen - mit ein bißchen Anstrengung ist das in 1 bis 2 Stunden zu bewerkstelligen. Die Herstellerfirma bietet natürlich auch an, edle Walnußholz-Racks auf Kundenwunsch anzufertigen - hier sollte man allerdings im Auge behalten, dass dies den Anschaffungspreis und die Versandkosten (Gewicht/Größe) stark in die Höhe treibt! Aufgrund der Größe solcher Systeme sind diese eher nicht geeignet für den Live-Einsatz. Wenn solche Systeme auf Bühnen stehen, wie z.B. bei Emerson, Lake & Palmer, dient dies entweder reinen Posing-Zwecken oder es wurde eine Hilfskraft engagiert, die während eines Auftritts beim Strippenziehen hilft. Grundsätzlich ist ein Modularsystem nichts für Musiker, die schnell und unkompliziert einen bestimmten elektronischen Klang erzeugen wollen. Der Umgang erfordert ein bißchen Zeit, viel Geduld und Experimentierfreude.